Thomas Greger und Carmen Siewert Deutsche Berglaufmeister
Erwartungsgemäß setzte sich mit Thomas Greger der erklärte Favorit bei den Deutschen Berglauf-Meisterschaften am Hochblauen im südbadischen Müllheim durch. Der 35jährige Grundschullehrer holte sich damit den sechsten Berglauf-Titel in seiner langen Karriere, die 1995 im württembergischen Beuren begann, zwischenzeitlich aber durch eine zeitweilige Abkehr vom Leistungssport eine Unterbrechung hatte, in dieser Saison aber mit dem zweiten Rang bei den deutschen Crossmeisterschaften und nun dem Gewinn der Berglaufmeisterschaft eine überraschende Fortsetzung erfährt. Greger verwies bei seinem Tempodiktat am Hochblauen über 10,5 km und einer Höhendifferenz von 905 m den eigentlichen Cross- und Bahnläufer Carlo Schuff und die Berglaufspezialisten Timo Zeiler und Josef Beha auf die Plätze.
Saisonziel um Flachen
Wie gut das Comeback des einstigen „enfant terrible“ des deutschen Langstreckenlaufes am Hochblauen ist, das zeigt die Verbesserung des 18 Jahre alten Streckenrekords von Charly Doll um neun Sekunden auf 44:59 Minuten. „Mein Saisonziel sind die deutschen 10 km-Meisterschaften in Mannheim“ gesteht unumwunden Thomas Greger, der nicht nur am Berg ein exzellenter Läufer ist, sondern auch mit 28:41,16 Minuten 2001 deutscher 10 000 m-Meister wurde. „Beim Berglauf sehe ich für mich keine Zukunft mehr. Mein letztes großes Berglauf-Rennen habe ich bei der World Trophy 2002 in Innsbruck gemacht, da wird sich bei mir nichts mehr ändern!“ Wie wenig ernst Greger diese Titelkämpfe nahm, geht alleine schon aus der Tatsache hervor, dass er vor Wochenfrist noch einen Triathlon in Darmstadt bestritten hatte. „Mir haben noch bis Mitte der Woche die Knochen weh getan, so dass ich noch nicht wusste, ob ich überhaupt hier starten kann!“ So wird Berglauf-Chef Wolfgang Münzel nicht nur auf den wegen des Skyrace Valmalenco-Valposchiavo abwesenden Titelverteidigers Helmut Schiessl bei den Europameisterschaften am 8. Juli in Cauterets (Frankreich) verzichten müssen, sondern auch auf den aktuellen Meister Thomas Greger.
Carlo Schuff: Schneller Bahnläufer belebt Berglauf
Überraschend holte sich der vor wenigen Tagen erst im Stadionoval mit 8:02,50 und 14:02,67 Minuten über 3000 m bzw. 5000 m überzeugende Carlo Schuff die Silbermedaille vor den beiden Berglauf-Spezialisten Timo Zeiler und Josef Beha, die nunmehr als Gerüst der DLV-Männermannschaft bilden. „Ich habe mir einen Berglauf schlimmer vorgestellt“, gesteht der Trierer, der als Diplom-Betriebswirt arbeitet und nun trotz des Fulltime-Jobs eine plötzliche Leistungsexplosion erfährt. „Ich habe dies eigentlich nur mitmachen wollen, weil ich durch die berufliche Belastung eine andere Saisonplanung habe und noch nie einen Berglauf bestritten habe!“ Und nun steht der frühere Junioren-EM-Sechste im Crosslauf plötzlich in der Berglauf-Nationalmannschaft.
Unverhofft zu Gold
„Für mich kommt der Titel natürlich völlig überraschend“, freute sich Carmen Siewert, die in Greifswald lebt und als Flachländerin bereits im vergangenen Jahr als Berglauf-Entdeckung auf Anhieb den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft hatte. Die wie Greger ebenfalls 35jährige gewann übrigens im Vorjahr die deutsche Marathonmeisterschaft in München und verbesserte auf dem Weg zum Titel die zwanzig Jahre alte Streckenrekordmarke der früheren deutschen Meisterin Christiane Fladt um 17 Sekunden. In dem schnellen Meisterschaftsrennen blieb auch der überraschend auf Rang zwei laufende Berglauf-Neuling Veronika Ulrich mit 54:33 noch unter der alten Rekordmarke. Die Südhessin hatte dabei noch bis 800 m vor dem Ziel das Rennen noch angeführt, musste dann aber ihrem forschen Auftritt etwas Tribut zollen. Auf Rang drei meldete sich nach der Geburt ihrer Kinder Phillip und Josefine die frühere World-Trophy-Zweite Birgit Unterberger eindrucksvoll zurück.
Ergebnisse:
Deutsche Berglaufmeisterschaften (10,5 km/ HD 905 m):
Männer: 1. Thomas Greger (TV Hatzenbühl) 44:59, 2. Carlo Schuff (Post-Sport Telekom Trier) 45:34, 3. Timo Zeiler (TSV Trochtelfingen) 46:15, 4. Josef Beha (FC Unterkirnach) 46:52, 5. Marco Sturm (LLC Marathon Regensburg) 47:13, 6. Manuel Stöckert (TSV Ostheim) 47:22 (deutscher Juniorenmeister); 7. Vasili Kraus (TuS Lörrach-Stetten) 47:32, 8. Markus Jenne (USC Freiburg) 47:46 – Mannschaften: 1. TV Hatzenbühl (Greger, Fuhrbach, Dörr) 2:27:23, 2. USC Freiburg (2:29:01), 3. TuS Heltersberg (Hecktor, Heuer, Bölts) 2:30:06.
Frauen: 1. Carmen Siewert (Greifswalder SV) 54:24, 2. Veronika Ulrich (LG Neu-Isenburg/Heusenstamm) 54:33, 3. Birgit Unterberger (OSC Berlin) 55:06, 4. Marie-Luise Heilig-Duventäster (LG Welfen) 56:31, 5. Stefanie Buss (ASC Rosellen/ Neuss) 56:58, 6. Anja Carlsohn (SC Potsdam) 57:32, 7. Kerstin Straub (SSC Hanau-Rodenbach) 57:56, 8. Jutta Brod (TV Konstanz) 58:32 – Mannschaften: 1. ASC Rosellen/ Neuss (Buss, Wimmer, Müller) 3:02:35, 2. LG Domspitzmilch Regensburg (Karg, Hirt, Hohenester) 3:12:56, 3. SSC Hanau-Rodenbach (Straub, Straub, Bozkurt) 3:15:14.