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26.03.2007 - “Cross Country has come home….”

30.000 Zuschauer bei den 35. Cross-Weltmeisterschaften in Mombasa – Riesenherausforderung für Politik und Sport – Belastungen für Athleten im Grenzbereich - Knapp am sportlichen Desaster vorbei geschrammt

Kenias Staatspräsident Kibaki genoss sichtlich jeden Augenblick, wenn einmal mehr seine lauforientierten Landsleute sich im Kampf um Gold, Silber und Bronze beim „Heimspiel“ in der Zwei-Millionen-Hafenstadt Mombasa erfolgreich waren. Mit dem Titel „Top of the world“ machte schließlich auch der „Standard“ seine Sonntagsausgabe auf Seite 1 auf, das Konkurrenzblatt „Nation“ ließ sich nicht minder lumpen und bilanzierte die Leistungen vor Ort für die 35. IAAF-Cross-Weltmeisterschaften in Kenia schlicht und einfach als meisterlich („Champions“). Schließlich war die Welt zu Gast in Kenia, dem Läuferland Nummer 1 in Sachen Cross-Country-Laufen seit nunmehr 22 Jahren. Unter dem Motto „Cross Country has come home…“ wussten die Medien im Land über Wochen hinweg das Interesse für die Lieblingsdisziplin der Kenianer zu wecken. Aber erst durch den am Vortage angekündigten freien Eintritt kamen letztlich 30.000 Zuschauer und machten dieses Weltchampionat zu einem gigantischen Spektakel. Bei dem die 464 Läuferinnen und Läufer aus 62 Nationen eher Mittel zum Zweck werden sollten, denn der Tageshit sollte die kenianische Nationalhymne werden.

Ausgerechnet bei der finalen Siegerehrung, dem von Kenia eindrucksvoll beherrschten Mannschaftswettbewerb der Männer-Langstrecke, patzte der Zeremonienmeister, als nach einem nur sekundenlangen Anspielen einer falschen Hymne die ob der Erfolge siegestrunkenen Zuschauer die Hymne A Cappella sangen und somit die Situation halbwegs retteten. 30.000 Zuschauern wurden Augenzeugen eines großen Sport-Spektakels, das ungesichert 500.000 Eur gekostet haben soll, Staatspräsident Kibaki aber zum Anlass nahm, um die Bereitschaft nach weiteren ehrgeizigen (Veranstaltungs-)Plänen für die Zukunft anzukündigen.

Aber bei aller Euphorie, diese 35. Cross-Weltmeisterschaften schrammten knapp an einem Debakel vorbei. Zwar blieben die angekündigten Protestaktionen islamistischer Gruppen nicht zuletzt wegen einer massiven Präsens von Armee, Polizei und Sicherheitskräften aus, wobei sogar ein US-Kriegsschiff vor der Küste patrouillierte, doch dafür gab es erhebliche organisatorische Mängel, die sicherlich nicht mit „afrikanischen Verhältnissen“ abgetan werden können. Mit Schlagstöcken wurden den Weg versperrende Autofahrer traktiert, Willküraktionen gegen die unzähligen Straßenhändler, die bis zur Einlieferung in die Gefängnisse führten, über Tage hinweg sorgten massive Sicherheitsvorkehrungen für erhebliche Behinderungen des öffentlichen Lebens.

So manche vollmundigen die sportliche Abwicklung betreffenden Versprechungen der kenianischen Verbandsoberen um Präsident Isaiah Kiplagat und Generalsekretär David Okeyo wurden keineswegs so umgesetzt, wie es der Leichtathletik-Weltverband IAAF letztlich wollte. Alleine die Wahl von Mombasa als Austragungsort anstelle der eher in gemäßigten Regionen liegenden Hauptstadt Nairobi oder des Läuferzentrums Eldoret erwies sich als katastrophaler Fehlgriff. Dutzende von völlig erschöpften Athleten mussten aus einem wenig abgesperrten Zielbereich von einer überforderten Sanität abtransportiert werden. Selbst viele afrikanische Athleten wie die kenianische Junioren-Titelverteidigerin Pauline Korikwiang wurden Opfer dieser extremen äußeren Bedingungen. Die vollmundig angekündigten Wasserduschen kamen mangels Wasserdruck dabei ebenso wenig zum Einsatz.

Professor Helmut Digel, der deutsche IAAF-Vizepräsident und vor Ort eingesetzte Organisationsleiter, wollte keineswegs die Situation vor Ort beschönigen, warb allerdings auch für Verständnis. „Das waren sicherlich die heißesten Cross-Weltmeisterschaften…“ und meinte dieses sicherlich auch im mehrdeutigen Sinne. „30.000 Zuschauer haben wir noch niemals zuvor gehabt. Für Kenia ist es zudem das größte Sportereignis, das jemals hier ausgerichtet wurde und ist zudem Anerkennung für die großen Läuferleistungen der Kenianer in den vergangenen Jahrzehnten. Der Austragungsort Mombasa ist alleinige Entscheidung unseres Mitgliedsverbandes Kenia. Wir haben darauf keinen Einfluss gehabt….“. Keine Frage, Kenia ist eines der ärmsten Entwicklungsländer mit zugegeben erheblichen Problemen im Gesundheitswesen und in der Grundversorgung mit Nahrung und ärztlicher Versorgung. Doch sehenden Auges haben sich die IAAF-Funktionäre auf die Fähigkeiten von Athletics Kenya verlassen, und diese sind zweifellos begrenzt und deren Führer sind zudem eher mit ihrer Selbstdarstellung beschäftigt als man gewillt war, alle anstehenden Aufgaben zeitgerecht abzuwickeln.

Der Internationale Leichtathletik-Verband ist gut beraten, die Weltmeisterschaften der folgenden Jahre in organisatorisch stabile Hände und zudem in gemäßigte Breiten zu legen, sonst leidet schon kurzfristig die Disziplin Crosslaufen, die zweifellos in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung bedeutet, aber keineswegs eine Überforderung für nahezu alle Teilnehmer und Funktionäre darstellen darf.

Wilfried Raatz


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